LITTLE · FLUFFY · POMS
Frühe Förderung
Bereits in den ersten Lebenstagen entwickeln sich Nervensystem und Sinneswahrnehmung der Welpen kontinuierlich weiter. In dieser frühen Entwicklungsphase ergänzen wir die natürliche Fürsorge und die täglichen Erfahrungen in der Wurfkiste durch zwei kurze Programme: Early Neurological Stimulation (ENS) und Early Scent Introduction (ESI).
Auf ENS und ESI sind wir bei der Beschäftigung mit unterschiedlichen Ansätzen in der Welpenaufzucht aufmerksam geworden. Nachdem wir uns näher mit beiden Methoden auseinandergesetzt hatten, haben wir sie auch selbst in der Aufzucht unserer Welpen eingesetzt. Gerade dabei ist immer wieder spannend zu beobachten, wie unterschiedlich schon die Kleinsten auf einzelne Reize und Gerüche reagieren.
Beide werden vom 3. bis zum 16. Lebenstag einmal täglich durchgeführt. ENS verbinden wir morgens mit dem täglichen Kontrollwiegen. Da die Welpen dafür ohnehin kurz in die Hand genommen werden, lässt sich beides gut miteinander verbinden. ESI findet davon getrennt am Abend statt. So verteilen sich die unterschiedlichen Eindrücke und kurzen Handling-Einheiten über den Tag, anstatt alles auf einmal durchzuführen.
Die einzelnen Reize dauern jeweils nur wenige Sekunden und werden besonders behutsam durchgeführt. Dabei achten wir selbstverständlich immer auf das Befinden des einzelnen Welpen. Es geht nicht um Training oder darum, möglichst früh bestimmte Verhaltensweisen zu erlernen, sondern um gezielte, kontrollierte Sinnesreize während einer sehr frühen Entwicklungsphase.
Bei der Early Neurological Stimulation (ENS) erhält jeder Welpe einmal täglich fünf unterschiedliche, sehr kurze Reize. Jede Übung dauert etwa drei bis fünf Sekunden.
Taktile Stimulation
Der Welpe wird in einer Hand gehalten, während die Haut zwischen den Zehen einer Pfote vorsichtig mit einem Wattestäbchen oder einfach einem Finger berührt wird. Es ist nicht erforderlich, dass der Welpe dabei eine sichtbare Reaktion zeigt.
Berührung zwischen den Zehen
Veränderte Kopfpositionen
Der Welpe wird sicher mit beiden Händen gehalten und zunächst für wenige Sekunden so positioniert, dass sein Kopf senkrecht nach oben zeigt. Anschließend wird die Position gewechselt und der Welpe für wenige Sekunden mit dem Kopf nach unten gehalten.
Aufrechte Kopfhaltung
Rückenlage
Der Welpe liegt für wenige Sekunden mit dem Rücken in den Handflächen. Er darf dabei ruhig liegen oder sich bewegen.
Rückenlage
Thermischer Reiz
Zum Abschluss wird der Welpe mit den Pfoten auf ein zuvor gekühltes oder feuchtes Tuch gesetzt. Auch dieser Reiz dauert nur wenige Sekunden. Der Welpe wird dabei nicht festgehalten und kann sich von der kühlen Oberfläche wegbewegen.
Gekühltes Tuch
Durch die kurzen Veränderungen von Berührung, Körperposition und Temperatur erhält das noch junge Nervensystem unterschiedliche, kontrollierte Reize. Ziel der Übungen ist es, das Nervensystem während dieser frühen Entwicklungsphase gezielt anzusprechen. Welche langfristigen Vorteile ENS beim Hund tatsächlich bewirkt, ist wissenschaftlich bislang nicht eindeutig geklärt. Für uns ist ENS daher kein Versprechen bestimmter späterer Eigenschaften, sondern ein kleiner Baustein innerhalb einer vielseitigen und sorgfältigen Aufzucht.
Die Übungen werden bewusst nur sehr kurz und besonders behutsam durchgeführt. Zusätzliche oder länger andauernde Reize sind nicht vorgesehen. Gerade in diesem jungen Alter stehen für uns Schlaf, Ruhe, Wärme und die Nähe zur Mama an erster Stelle.
Der Geruchssinn gehört zu den Sinnen, die Welpen bereits unmittelbar nach der Geburt nutzen können. Bei der Early Scent Introduction (ESI) bekommt jeder Welpe vom 3. bis zum 16. Lebenstag einmal täglich einen neuen Geruch angeboten.
Dafür legen wir den Welpen ab und platzieren die jeweilige Geruchsquelle in etwa fünf bis zehn Zentimetern Abstand vor seiner Nase. Dort bleibt sie für etwa fünf bis acht Sekunden, ohne den Welpen damit zu berühren oder seine Bewegung einzuschränken. Der Welpe soll den Geruch lediglich wahrnehmen und wird zu keiner Reaktion animiert.
Dabei können die Reaktionen sehr unterschiedlich ausfallen.Manche Welpen robben aktiv auf die Geruchsquelle zu, andere drehen sich weg und robben von ihr fort. Wieder andere bleiben einfach liegen und zeigen äußerlich kaum eine Reaktion. Jede dieser Reaktionen ist vollkommen in Ordnung.
ESI in der Praxis
Die folgenden Aufnahmen zeigen einige dieser ganz unterschiedlichen Reaktionen unserer Welpen auf die angebotenen Gerüche.
Zapfen · Kaum sichtbare Reaktion
Lavendel · Suchende Bewegung
Apfel · Annährung
Leder · Deutliches Abwenden
Wir verwenden dafür unterschiedliche natürliche und für die Welpen unbedenkliche Gerüche. Dazu gehören beispielsweise Gras, Erde, Moos, Holz, Zapfen, Laub, Heu oder Stroh, Wolle, Leder und Federn sowie verschiedene Früchte wie Apfel, Birne, Banane oder Erdbeere. Auch charakteristische Gerüche wie Lavendel oder Anis können eingesetzt werden. Jeden Tag wird nur ein Geruch vorgestellt.
Ziel von ESI ist es, den bereits früh aktiven Geruchssinn anzusprechen und den Welpen unterschiedliche olfaktorische Eindrücke anzubieten. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Reaktion hervorzurufen oder spätere Fähigkeiten zu trainieren. Die Welpen dürfen die verschiedenen Gerüche einfach wahrnehmen und individuell darauf reagieren.